(aus dem
Heft 4 / 2002:)
Der Alpstein
Der Alpstein, ein wunderbar gelegener Kalkstock, zu dem z.B. auch der Säntis gehört, ragt weithin sichtbar aus dem Appenzeller Land. Einen Parkplatz findet man in Brülisau an der Kastenbahn und im Talschluss auf einer bäuerlichen Wiese. Nach Brülisau fährt auch ein Bus (Bahnanschluss Weissbad).
Von hier sind es 2 Std. Aufstieg zu Gasthof Bollenwees und Hundsteinhütte (SAC). Etwa zehn Minuten länger läuft man zur Fählenalp, die während der Sommerwirtschaft Lager anbietet (soll sehr urig und billig sein). Auch die Roslenalp ist im Sommer für Unterkunft zu nutzen und bietet mit einem ca. einstündigen Aufstieg von Sax, Parkplatz Nasseel, einen kurzen Anstieg und schnellen Zugang zu den Kreuzbergen.
Nachdem wir mit Gabe vor dem Sommer einen Wochenendausflug in den Alpstein unternommen hatten, unsere Urlaubspläne durch den Wohnort- und Arbeitsplatzwechsel nur kurzfristig planbar waren, haben wir uns für eine knappe Woche noch einmal bei Maria auf der Hundsteinhütte angemeldet. Maria kocht und backt hervorragend, sie ist immer für ein Pläuschchen zu haben und trägt ihr Herz auf der Zunge. Und: sie kennt sich aus.
Alles in allem ein familiärer Aufenthalt, wäre die Hütte am Wochenende nicht oft zu klein für den Andrang an Wander- und Klettervolk. Aber wem wollen wir es verdenken, es ist dort einfach schön: ausgedehnte Wanderwege, viele Mehr-Seillängen-Klettertouren mit herrlichem Ausblick, sofern kein Nebel in den Kalkzacken hängt.
Es gibt auch einen kleinen, feinen Klettergarten in Hütten nähe, an dem sich z.B. Familien tummeln, oder, wie ich es getan habe, der Vorstieg in Wasserrillen und Kalkreibung der besten Sorte probiert werden kann. In dem Klettergarten lässt sich unbeschwert nur mit Pärchen klettern, in den übrigen Touren finden sich zwischen den Haken auch Keilstellen. Am Hundstein und der Freiheit sind die leichteren Touren eher alpin, die Standplätze sind aber immer ganz gut bis neu eingerichtet. Auch die Kreuzberge, die wir uns für das nächste Mal aufgehoben haben, bieten bis zu zwölf Seillängen mit alpinem Charakter und tollem Ausblick in das Rheintal (Extratip eines einheimischen Kletterers).
Wir sind absichtlich erst zum Wochenanfang angereist, die Ferien in der Schweiz waren auch schon vorbei, so dass die ersten Tage auf der Hütte und am Fels nicht so viel los war. Nur ein FÜ-Kurs des DAV kam uns ab und an in die Quere, da sie sich zwecks Ausbildung im gleichen Schwierigkeitsbereich bewegten.
Nachdem wir uns am Widderalpstock warm geklettert hatten, sind wir am 3. Tag eher spät Richtung Freiheit gestartet. Maria, selbst Kletterin und FÜ für den SAC, hat uns die Überschreitung bis zum Hundstein und Abstieg über den Wanderweg ans Herz gelegt. Beim 1,5 Std. Anstieg zur Freiheit-Südwand (4b, 7SL) waren wir dankbar für den Tip: der Weg geht recht harmlos am Fählensee entlang wird dann immer steiler, durch Geröll und Schrofen, teilweise auch ausgesetzt; er bietet schon vor dem Einstieg gute Möglichkeiten, sich zu verlaufen.
Das Gelände war durch tagelange Regenfälle noch sehr nass, ganz klar, dass der Weg spätestens im Abstieg seinem Namen Mörderwegli gerecht geworden wäre. Wir mussten warten, bis der Kurs den Einstieg freigab. Deshalb gerieten wir schon in der 3. Seillänge in den Nebel, der sich jeden Mittag über die Gipfel des Alpstein legte. Aber die Kletterei war sehr schön: fester Fels, gute Standplätze, großer Gipfelplatz und ein schöner Abstieg; die Aussicht war nur fetzenweise durch Wolkenlücken zu erahnen. Die Tour war nicht immer leicht zu finden und sie weist Varianten auf, die mir mit Rucksack im Nachstieg doch stellenweise zu heftig waren; ich liebe weniger die Kraftakte, Reibung ist meine bevorzugte Kletterei. Die haben wir beide am nächsten Tag im Klettergarten noch einmal ausgiebig im Vor- und Nachstieg ausprobiert, quasi als Vorbereitung auf zwei Wochen Granit und Gneis.
Der Alpstein ist abwechslungsreich: Radfahren, Buggi-schieben, Wandern, Klettern, "Baden" (der Fählensee bietet herrliche Abkühlung) und "Streichelzoo", Wirtschaften und Alpkäsereien bieten für jedes Alter und Anforderung Tummelplatz für mehrere Tage. Wir waren bestimmt nicht das letzte Mal dort.
Info
- Kletterführer: Alpstein, Werner Küng, Verlag SAC, Bern
- Karte: Säntis 1:25 000 Landeskarte der Schweiz
- Hundsteinhütte: SAC Skt. Säntis, Juli, Aug., Okt. bew.,
sonst auf Anfrage: Maria und Thomas Reiser,
Tel. 0 71 / 79 91 581, Fax priv. 0 71 /92 54 147
e-mail priv. reiser.wilen@bluewin.ch
Verena Bähr
(erschienen im "Höhenrausch" 4 / 2002)