Ballermann und Oberbayern ???
Anfang April waren 9 Mitglieder der Kletter- und Hochtourengruppe (Steffi, Susanne, Ingrid, Kathrin, Christian, Rainer, Heiko, Torsten und meine Wenigkeit) zum Sportklettern auf Mallorca.
Nachts, 22:00 Uhr, es ist stockfinster und wir suchen auf einer schmalen Landstraße im Inselinneren nach der Abzweigung zu unserer Unterkunft, einer Ferienwohnung in einer alten Olivenpresse und Poststation in der Hügellandschaft bei Inca.
Als wir schon gar nicht mehr damit rechnen, entdecken wir am Straßenrand ein kleines handgemaltes Schild. Also rechts ab und nach einem Kilometer auf dem holperigem Feldweg stehen wir vor dem alten Gutshof.
Aber alles ist dunkel und zur Begrüßung erwarten uns nur zwei riesige Doggenmischlinge, die uns wild ankläffen, wovon sich Kathrin jedoch nicht abhalten läßt. Schon bald hat sie sich mit den beiden angefreundet und so trauen sich auch nach und nach alle anderen aus den Autos.
Eine knappe halbe Stunde später treffen dann auch Herrmann und Renate, unsere Gastgeber, ein. Die deutsche Hektik und Pünktlichkeit sollte man auf Mallorca getrost zuhause lassen und sich dem Lebensrhythmus der Mallorciner anpassen.
Die Zimmer sind schnell bezogen und es stehen auch Lebensmittel und Wein für uns bereit, da wir wegen der Osterfeiertage zunächst nicht einkaufen können. Nach einem kurzen Nachtmahl sind heute alle schnell im Bett, was eine Ausnahme bleiben wird.
Am nächsten Morgen können wir erstmals sehen, auf was für einem schönen Fleckchen von Mallorca wir hier gelandet sind. Oben am Hang gelegen hat man einen weiten Blick über die Ebene; rings herum dehnen sich Oliven und Eichenhaine aus und hinter dem Haus bimmelt es von der Schafherde des Nachbarhofes. Auf dem Hof vor unserer Wohnung wachsen sogar Orangenbäume – also gleich hinein und die Früchte getestet. Zum Essen sind sie zu klein und zu kernig, aber da sie sehr süß sind läßt sich aus Ihnen ein herrlicher Saft pressen; dies wird mein allmorgendliches Ritual in diesem Urlaub.
Zum Klettern fuhren wir heute nach Creveta einem kleinen Klettergebiet in der Nähe vom Cap Formentor, in dem man sich bequem einen Tag lang beschäftigen kann. Die Routen sind hier ca. 20 m hoch und liegen in den Schwierigkeitsgraden zwischen 4+ und 6b. Schon bald fragen wir uns, ob wir alle so schlaff sind, oder ob die Routen so hart bewertet sind. Im nachhinein würde ich sagen, daß wir am Anfang schon etwas Zeit brauchten, um in Form zu kommen, die Routen aber auch deutlich härter bewertet sind als z.B. in Arco oder Südfrankreich (dies gilt für alle Klettergebiete der Insel). Am Nachmittag fuhren wir dann noch zum Cap Formentor und wanderten zur nur zu Fuß erreichbaren und beinahe menschenleeren Bucht Cala Figuera. Das klare türkise Wasser lockte so sehr, daß selbst ich mich überwinden konnte eine Runde zu schwimmen.
Am nächsten Tag mußten wir erst einmal Christian vom Flughafen abholen, von Genf aus hatte er keinen früheren Flug bekommen. Nach über 2 Stunden Verspätung waren wir dann vollständig und fuhren ins Klettergebiet von Santanyi. Hier klettert man direkt über dem Meer, die Einstiege beginnen alle auf einem ca. 6m über dem Wasser gelegenen Band und sind bis zu 20m hoch. Allerdings gibt es hier nur wenige leichte Touren, die meisten liegen oberhalb von 6c, aber wenigstens sind jetzt alle mit neuen Nirostahaken bestens gesichert. Bei meinem letzten Besuch vor 6 Jahren waren die meisten Haken vor lauter Rost schon dem Ruf der Schwerkraft gefolgt. Nach dem Klettern war dann wieder Baden angesagt, das Band an den Einstiegen diente uns nun als Sprungturm, da das Wasser darunter tief genug und glasklar war. Abendessen gab es dann in einem gemütlichen Landgasthof in dem außer uns nur Mallorciner saßen und es eine herrlich deftige einheimische Küche gab.
Am dritten Tag fuhren wir zur Sa Calobra, wo sich einige die Schlucht Torrente de Parais ansahen, während der Rest in der nahegelegenen Cala Tuent klettern wollten. Dies war allerdings leichter gesagt als getan, denn man sah den Felsen zwar schon von weitem, nur leider fanden wir keinen Weg dahin. Also querfeldein zuerst durch verwilderte Oliverhaine, dann mitten durch die Macchia und zum Schluß noch über Schroffen zum Felsen. Und wozu dies alles? Um festzustellen, daß sämtliche Touren im Hauptsektor von einer Gruppe Briten belegt waren. Wir sind dann noch ein paar hindert Meter weiter zu einem kleinen Paß gegangen, hierher gab es definitiv keinen Weg mehr. Oben angekommen erwarteten uns drei nicht sehr lohnende Touren und ein traumhaften Tiefblick auf die zu beiden Seiten des Passen gelegenen Buchten. Als wir dann zum Abend hin wieder unten in der Bucht eintrafen, waren die meisten von uns recht zerschunden, vor allem kurze Hosen waren eindeutig die falsche Wahl. Beim abendlichen Bad erwischte Torsten dann auch noch eine Feuerqualle, was ihn für den heutigen Abend ziemlich außer Gefecht setzte. Es lauern halt nicht nur die alpinen Gefahren, auch das Baden hat seine Tücken.
Der nächste Tag führte uns dann erstmals in das größte Klettergebiet Mallorcas, nach Sa Gubia. Hier gibt es über 100 Touren, mit bis zu 9 Seillängen. Wir machten erst einige Baseclimbs, bevor wir den Tag mit einer 3-Seillängen-Route beendeten. In der letzten Seillängen erwarteten uns Wasserrinne, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe. Absolut glatt und mit messerscharfen Kanten, hätte man sich hier bei einem Sturz sicherlich das Bein abgeschnitten; alle Achtung an die Vorsteiger. Während einige noch einen kurzen Abstecher ans Meer machten um zu baden, fuhr der Rest schon einmal zur Finca, den zur Abwechslung wollten wir heute mal selber kochen.
Der fünfte Tag auf Mallorca und die Temperaturen stiegen weiter, also ging's zum klettern wieder ans Meer. Unser Ziel heute hieß Cala Magraner und ist eine einsame Bucht an der Südküste, deren eine Seite von einer Felswand begrenzt wird. Die Routen sind hier zwischen 15 und 20 Meter hoch und ausgesprochen gut gesichert, so daß Susanne hier gefahrlos Ihren ersten Vorstieg klettern konnte, was abends selbstverständlich ausgiebig in einem Weinkeller gefeiert wurde. Mittags machten auch wir Siesta, da bei der Hitze nicht an klettern zu denken war. Dafür hatte das Wasser der Bucht schon angenehme Temperaturen was wir zur Erkundung der Steilküste nutzen. Man konnte springen und es gab auch eine Höhle im Wasser zu erkunden.
Die nächsten Tage besuchten wir dann wieder einige der schon beschriebenen Klettergebiete, bevor wir am Freitag noch zu einem der schönsten Klettergebiete fuhren, zum Castel Alaro. Hierbei handelt es sich um einen zentral gelegenen Tafelberg, auf dem die Ruinen einer mittelalterlichen Burgruine stehen und von dem aus man fast die gesamte Insel überblicken kann. Nachdem es am Vormittag geregnet hatte besichtigten wir zunächst die Burgruine und stärkten uns in der dazugehörigen Taverne. Aber der Fels war schnell abgetrocknet so daß wir uns den Klettereien dieses Gebietes widmen konnten. Die Touren sind bis zu 30m hoch und decken die gesamte Schwierigkeitsskala von 4+ bis 7c ab. Ganz in der Nähe des Klettergebietes liegt der Bergbauernhof Es Verger, für jeden der gerne Lamm ißt das absolute Muß.
Leider mußte Christian am nächsten Morgen schon wieder nach Genf fliegen, was uns allen in Erinnerung rief, daß sich der Urlaub dem Ende zuneigte. Dies drückte doch etwas auf die Stimmung so daß sich einige noch nicht einmal zum Klettern aufraffen konnte. So teilten wir uns heute; die einen fuhren nochmals nach Cala Magraner, während der Rest eine Inselrundfahrt unternahmen. Abends waren wir dann von unserem Hausherrn zum Spanferkelessen eingeladen. Bei guter und reichhaltiger mallorcinischer Küche sowie reichlich Wein besserte sich die Stimmung dann wieder erheblich.
Am letzten Tag fuhren wir dann noch einmal ins Klettergebiet von Sa Gubia. Während sich die meisten von uns noch einmal in den Sportkletterrouten die Finger lang ziehen wollten, zog es Heiko und mich zu den hohen Wänden. Das Klettergebiet wird von einem ca. 250m hohen Pfeiler begrenzt. Hier kletterten wir eine herrliche 8-Seillängentour. Diese war komplett eingebohrt, bewegte sich an den schwersten Stellen gerade einmal im unteren sechsten Grad, war aber auch nie leichter als der obere fünfte Grad und bietet durchgehend festen plattigen Fels.
Nach dieser Woche fiel der Abschied allen schwer und es war einhellige Meinung, daß dies nicht der letzte Urlaub auf Mallorca war. Wer gerne nähere Informationen über einen Kletterurlaub auf Mallorca haben möchte, kann sich jederzeit gern an mich wenden.
Thomas Wehmeyer