Elbsandsteingebirge
Kaminklettern
Aufbruch an der Boofe

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Im Reich der Knotenschlingen

Die Pfingsttage verbrachten einige Mitglieder der Kletter- und Hochtourengruppe diesmal im Elbsandsteingebirge. Eine große Hilfe war, dass uns mit Jürgen ein Dresdener Kletterer zur Seite stand, der diejenigen, die zum ersten Mal im Elbsandstein waren, mit den Besonderheiten dieses Klettergebietes vertraut machte.

Samstag morgen brachen wir bereits vor 8:00 Uhr in Dresden auf, eine Zeit, zu der man sich bei einem Klettertag im Ith noch im warmen Bett räkelt. Aus dem Kirnitzschtal wanderten wir zunächst zur unteren Boofe am kleinen Lorenzstein. Glücklicherweise waren es nur ca. 30 min. Fußmarsch zur Boofe, denn keiner der Rucksäcke war leichter als 30kg, da man alles, was man für die drei Tage benötigt, incl. Wasser hochtragen muß.

In der Boofe ließen wir dann bis auf die Klettersachen alle Ausrüstung zurück und liefen dann etwas über eine Stunde lang zur Thorwalder Spitze, einem ca. 20m hohem Turm mit schöner Aussicht auf den „Großen Zschand”.

Hier fand dann das in Sachsen übliche Ritual des “Felsenumkreisens” statt, d.h. man sieht sich erst einmal alle Routen an, ob und was man klettern will, und findet bei der ersten Runde meistens nichts.

In der zweiten Runde findet der eine oder andere dann vielleicht eine Route, die er eventuell klettern würde, wenn sie nur besser gesichert wäre oder man wüßte, ob Schlingen liegen. In der dritten Runde sieht man sich die Route dann genauer an und diskutiert mit den anderen die Möglichkeiten der Sicherung und wie sich die Tour wohl am besten klettern läßt. Danach schaut man dann, ob sich vielleicht schon ein anderer durchgerungen hat, eine Route vorzusteigen, die man dann nachsteigen könnte. Ist dies nicht der Fall, läßt man sich noch ein wenig von den anderen motivieren, bevor es dann ernst wird. Wem dieses Verhalten merkwürdig erscheint, sollte sich die Routen vor Ort ansehen und er wird verstehen! Nach ca. 1h stiegen dann Torsten und Jürgen in die ersten Touren ein; Jürgen in eine kurze abdrängende Wand mit Minileisten (7c) und Torsten in eine Rißverschneidung (4). Man sollte jetzt denken, dass Torsten hier die einfachere Route hatte, aber weit gefehlt  uns allen fiel Torstens Route deutlich schwerer. Außerdem gab es nicht einen einzigen Ring. Oben auf dem Gipfel gabs dann was zu trinken und Kekse.

Einige waren jetzt schon platt und für den Rest stieg Torsten dann noch die Zschandwand, eine 7c-Route, vor, die er als deutlich einfacher als die Rißverschneidung empfand; außerdem war sie super gesichert (2 Ringe).

Jetzt hatten alle genug, denn die Adrenaline verbrauchen sich selbst im Nachstieg hier sehr schnell und drei bis vier Routen sind meist das Maximum pro Tag.

Außerdem nehmen die einzelnen Routen deutlich mehr Zeit in Anspruch als in anderen Klettergebieten, da das Legen der Sicherungen sehr aufwendig ist, meist mehrere Nachsteiger einem Vorsteiger folgen, man die Aussicht vom Gipfel genießt und dann mit der ganzen Gruppe noch abseilen muss (tlw. mehrere Abseillängen).

Da es sehr heiß war, gingen wir nicht gleich zurück zu Boofe, sondern zunächst runter zur Kirnitzsch, um uns abzukühlen, was bei ca. 10°C Wassertemperatur kein Problem war.

Am nächsten Tag wollten Alfred und Torsten mal was Hohes klettern, also gingen wir zu den Pechofenhörnern, die das Tal um bis zu 100m überragen. Heiko machte hier mit Susanne und Verena den "Alten Weg" auf  das Hintere Pechofenhorn, womit die drei den ganzen Tag beschäftigt waren (5 Seillängen und 2 Abseillängen). Torsten versuchte zunächst den Juliweg am Köhler (7c), brach die Tour dann aber an einem mit Farn bewachsenen überhängenden Schulterriß ab, eine Entscheidung, für die wir alle Verständnis hatten.

Aufgrund der Hitze entschieden wir uns dann für die Nordwand auf das Vordere Pechofenhorn (7a). Bereits der Zustieg hatte es in sich, ein ca. 40m hoher Kamin im zweiten Grad (sowas geht der Sachse seilfrei), den man bei uns als erste Seillänge bezeichnet hätte. Danach folgte traumhafte Kletterei an kleinsten Griffen in einer leicht liegenden Wand. Oben war dann das Hauptproblem, den Gipfel in dem zerklüfteten Gelände zu finden, was dann aber nach einigen Übertritten gelang. Von hier konnten wir dann Verena, Susanne und Heiko auf dem Nachbargipfel zuwinken.

Die meisten hatten jetzt genug für den Tag und verabschiedeten sich Richtung Kirnitzsch. Nur Torsten und mir reichte es noch nicht und so machten wir noch zwei weitere Gipfel in der Umgebung. Torsten stieg die Nordhagel (7a) an der Wartburg vor und ich die Logik (7a) an der Pechofenscheibe.

Abends schafften wir dann gerade noch ein Bad in der Kirnitzsch, bevor uns ein Gewitter in die nächstgelegene Gastwirtschaft trieb. Später in der Boofe gab´s dann reichlich Wein, denn den trägt man nicht wieder ins Tal.

Am letzten Tag blieben wir an den Lorenzsteinen. Morgens veranstaltete Jürgen zunächst einen Kurs im Schlingenlegen; danach wollten dann alle das Gelernte in der Praxis anwenden. Heiko und Alfred stiegen den komplett selbst abzusichernden Urlaubsweg (5) auf den kleinen Lorenzstein vor und ich versuchte mich an der Karavane (7b) auf den kleinen Lorenzstein. Die gut gesicherte Schlüsselstelle konnte ich noch klettern, versagte dann aber am Ausstieg. Einige Meter über der letzten Sicherung auf einer Reibung gings mental einfach nicht weiter, aber nach dem ausgiebigen Weingenuss des letzten Abends hatte ich wenigstens eine passende Ausrede. Dafür legte Torsten jetzt richtig los, erst eine 8a am kleinen Lorenzstein und als krönenden Abschluss die Sommerwand (7b) am Großen Lorenzstein. Bei der Sommerwand handelt es sich um eine 40m hohe Wand, die in einer Route alles bietet, was das Herz begehrt (Piazschuppen, überhängende Wandkletterei und steile Reibungskletterei). Dabei gibt's nur 2 Ringe, alle weiteren Sicherungen müssen selbst gelegt werden. Selbstverständlich nutzten wir alle die Gelegenheit für den Nachstieg.

Als perfekten Ausklang dieses Wochenendes kehrten wir noch in die Buschmühle ein, der traditionelle Treffpunkt der sächsischen Kletterer. Hier kostet kein Hauptgericht über 9,-DM und einen halben Liter Bier gibt's für 2,-DM, Preise von denen wir Ithkletterer nur träumen können, genauso wie von dem einmaligen Klettermöglichkeiten, hier im Elbsandsteingebirge.

Thomas Wehmeyer

Was Knotenschlingen halten??

Darüber gab es eine Untersuchung an der TU Dresden, die dem Kletterer eine bessere Beurteilung der Qualität gelegter Knotenschlingen erlauben soll. Nachlesen kann man die Testergebnisse und neuen Erkenntnisse im Internet unter der Adresse http://www.joergbrutscher.homepage.t-online.de/knoten.htm.

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