An der Laguna Coichocha
Indiokinder
Der Cayambe
Blick auf den Antisana
Im Gletscherbruch am Cotopaxi
Entgleister Zug bei Alausi

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Trekking Abenteuer in Equador

Zwei Tage waren wir in Quito um uns einzuleben und die Galapagosreise zu organisieren. Im Touristenviertel gibt es viele Restaurants, die wir nach und nach durchprobierten (Thai, Pizzeria, Mexikanisch, Chinesisch). Die heimische Küche hatten wir auf dem Lande genug. Leider ist Equador sehr unsicher geworden, so daß man nach Sonnenuntergang (18:00) nicht mehr auf der Straße gehen sollte. Alle Mauern sind mit Glasscherben verziert, in den Straßen sind alle 20 m Nachtwächterbuden und vor den Banken steht Wachpersonal mit Kugelweste und mit Elefantentöter im Anschlag. Da heißt es um 6:00 aufstehen. Unsere erste Tour führte uns 3,5 h auf der Panamericana (80 km) nach Norden in die Indiokunsthandwerkerstadt Otavalo. Dort haben wir uns mit den ersten Souvenirs eingedeckt und auch dort die pünktlichen Regenschauer um 13:00 erlebt. Von Otavalo aus haben wir eine anstrengende aber schöne Rundwanderung um die Lagune Coicocha unternommen.

Der Rundweg pendelte zwischen 3000 und 3500 m unterhalb und in den Wolken. Auch hier gab es denn täglichen Guß. Abends ging es noch per Bus über eine holprige Kopfsteinpiste in das Pampanest La Esperanza, wo wir im urgemütlichen Haus von Aida unterkamen. Abends saßen wir mit den anderen Rundsacktouris am offenen Kamin und genossen das Pils, das in der Höhe gleich wirkt. Obwohl direkt auf dem Äquator wurde es nachts recht kalt, so daß unsere Schlafsäcke zum Einsatz kamen. Am nächsten Morgen um 6:30 charterten wir uns mit zwei Italienern ein Pickup und ließen uns von 2800m auf 3300m hochfahren und begannen den Aufstieg zum Imbambura (4609m). Leider waren wir ab 4000m in den Wolken, so daß es nichts mit der Aussicht auf die umliegenden Täler und den Cayambe (6000er) wurde.

Bis 3500 m bewirtschaften die Indios noch ihre Felder. Auf den letzten 200 Höhenmetern war Klettern (3- Stellen) angesagt. Um 10:30 gab es auf dem Gipfel Papayas und Bananen. Es fing leicht an zu hageln und wir machten uns auf den Rückweg. Langsam stellten sich aufgrund der Höhe leichte Kopfschmerzen ein. Den obligatorischen halbstündigen Regen gab es auch an diesem Tag.

Zurück liefen wir durch das langgezogene Dorf und holten uns aus dem Dorfmarkt das erste Bier und schauten uns das Dorftreiben an. Auf den letzten Kilometern begleitete uns ein Indiojunge mit einem Reifen und einem Holzstab und ließ den Reifen geschickt ins Tal rollen. Bei Aida gabs noch nen Bier in der Nachmittagssonne, Kaminfeuer, Milchstraße und Wetterleuchten. Ein Ort zum Ausspannen. Doch am nächsten Tag ging es über die löchrige Kopfsteinpiste zurück nach Quito mit den stinkenden Autos und Bussen. Dort haben wir den South America Club und alle Bergsteigerläden abgeklappert und alle Infos über die nächsten Gipfel zusammengetragen. Unseren ersten 5000er wollten wir südlich von Quito besteigen. Per Bus ging es auf der Panamericana nach Machachi. Hier konnten wir einen Pickupfahrer finden, der uns bis auf 3900 m an den Iliniza Norte hochfahren konnte. Die Luft war schon recht dünne und wir mußten den Pickup auf 3800m anschieben. Dann bekamen wir unseren täglichen Nachmittagsguß in Form von Hagel und Gewitter, so daß wir die letzten 300 Höhenmeter im Schnee hochstapften. Die Hütte auf 4650m füllte sich immer mehr. Zum Schluß waren wir über 20 Personen in dem einzigen Raum der teuren Schutzhütte.

Birgit lag in der 2. Etage, ich in der 3.Etage und noch jemand in der 4. Etage. An Schlaf war leider in der stickigen und lauten Bude leider nicht zu denken. Morgens um 4 war draußen alles neblig und schneebedeckt, so daß wir bis 8 Uhr weiter dösen konnten. Leider wurde das Wetter nicht besser und der normalerweise schneefreie Illiniza Norte (5109m) war schneebedeckt, so daß wir und die anderen 20 Bergsteiger uns nicht an die ausgesetzten Stellen wagen wollten. Beim Abstieg zuerst Schnee dann Regen. Unterwegs konnten wir noch auf einen Pickup aufsteigen, so daß wir nur 1400m absteigen mußten. Zurück in Machachi suchten wir vergeblich ein akzeptables Restaurant und gingen in eine der Pollo-Buden (Hähnchen). Zu unserem Brathähnchen wurde uns vorab wieder eine Suppe serviert, aus der uns die dazugehörige Kralle entgegenwinkte.

Gehört wohl dazu! Nach unserer Schneewanderung zum Illiniza sind wir in einem schönen ländlichen Hotel eingekehrt und wurden abends mit einem 4 Gänge Menu verwöhnt.

Wir waren die einzigen Gäste. Morgens wurden wir von einem Pickup abgeholt und 2 Stunden lang bis auf 4600m an den Cotopaxi gebracht. Die 200 Höhenmeter mit den schweren Rucksäcken zog sich eine Stunde hin. Eigentlich wollten wir einen Ruhetag einlegen, doch wollten 4 Seilschaften mit Führern um 1:00 Uhr zum Cotopaxi starten und der Himmel war zum ersten Mal sternklar, so daß wir um 1:00 mit den Anderen aufbrachen und beim Licht der Stirnlampe den recht steilen Vulkan hoch trotteten. Der Weg führte durch den Gletscherbruch, den wir erst auf den Rückweg sehen konnten. 

Auf 5100 m verlor Birgit ihren Handschuh, der auf dem vereisten Firn ins Tal sauste und am Morgen gefunden wurde (aber 2. Paar dabei)! Es zog sich eine Glühwürmchenkette durch den Gletscherbruch und es wurde ständig überholt. Es ging immer steil hoch, so daß wir kaum Pausen machen konnten. Je höher wir kamen, desto besser konnten wir die Lichter von Quito sehen. Um 6:00 Uhr ging die Sonne auf und die anderen 5000er und 6000er ragten aus der Wolkendecke. 

Um 7:00 Uhr erreichten wir unseren höchsten Punkt (5630m), der Weg zum Gipfel (5870m) war wegen Schneewächten und Bruchharsch zu gefährlich, so daß für uns auf 5630m der Gipfel erreicht war. Eine geführte Gruppe versuchte es trotzdem weiter und kam nur 30 m höher und trat eine Lawine los, so daß sie für die Rückweg eine Stunde länger brauchten. Auf dem Rückweg holten wir uns um 7:30 innerhalb einer halben Stunde einen Sonnenbrand und haben die Aussicht über das Wolkenmeer und auf den Gletscherbruch genossen. Vom Parkplatz auf 4600m haben uns 2 amerikanische Familien mit nach Quito genommen.

Am nächsten Morgen wollten wir doch noch den Chimborazo in Angriff nehmen und fuhren mit dem Bus nach Riobamba. Ein langweiliges Provinznest. Auf der Busfahrt wurde das Fußballspiel Equador-Brasilien (1:0) übertragen und in Riobamba war Autokorso angesagt. Das 1. Hotel stank nach Diesel und in unserem Hotel haben wir erstmal 2 Kakalaken geplättet. Abends wurde es unheimlich. Am nächsten Morgen wurden wir mit weiteren Touris in einem Kleinbus zum Chimborazo hochgefahren. Im letzten Dorf hielt der Fahrer und lies seinen defekten Reservereifen in einer Dorfklitsche (Vulcanisatora) flicken. Der Schlauch wurde mit fest gepreßten Bügeleisen heiß vulkanisiert. Der Reifen bekam noch 2 Gummilagen hineingelegt. Das Flicken war auch dringend nötig, da alle Reifen popoglatt waren. Der Chimborazo empfing uns mit Wolken auf 4200m. Wir stiegen auf 4800m aus und sahen uns die Hütte an. Es waren an dem Tag und an den vorherigen Tagen keine Bergsteiger da. Wir stiegen ohne Gepäck mit den anderen Touris auf 5000m zur zweiten Hütte auf und hatten das Glück, daß die Wolken aufrissen und einen Blick auf die Aufstiegsspur frei gab. Der Gipfel blieb jedoch in den Wolken. Es stürmte heftig und es lag bereits auf 4500m Schnee. An der ersten Hütte sahen wir viele Gedenktafeln und wir wollten keine weitere hinzufügen lassen und fuhren mit den anderen nach Riobamba zurück.

Am nächsten Morgen ging es um 6 Uhr zum Bahnhof um einen der begehrten Dachplätze des Zuges nach Alausi zu ergattern. Um 7:00 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung und wir hatten eine tolle Aussicht in die Gärten, Felder und Berge. Der Zug fuhr langsam und rumpelte kräftig. Plötzlich war das Rumpeln heftiger: Der Zug war entgleist. Das zahlreiche Zugpersonal lag unter der Lok und den Anhängern und legte Metallteile und Steine vor die Räder und wuppte nach und nach alle Achsen auf die arg verbogenen Schienen. Einen Kilometer weiter das gleiche Spiel. Auf dem Zugdach ist das Rumpeln und die Schieflage noch bedrohlicher. Der Zug sollte noch ein drittes Mal entgleisen, so daß wir für die 104 km 6 Stunden (Bus 1,5 h) gebraucht haben. Von Alausi ging es mit spektakulären Vorwärts- und Rückwärtsfahrten an einem Felshang ins Tal hinunter. Unten wurde gewendet und nach Alausi zurückgefahren, da nach einem Erdrutsch die Strecke zur Küste unterbrochen ist. An eine Reparatur ist nicht zu denken, da noch nicht mal neue Bohlen und Stahlnägel für die Entgleisungsstellen vorhanden sind. Improvisieren statt Instandhalten!

Von Alausi ging es mit dem schnelleren und billigereren Bus zurück nach Riobamba und weiter über Ambato nach Banos. Der Busfahrer fuhr mit ca. 100 die kurvigen Straße nach Banos runter. Besser nicht rausschauen. Dort haben wir uns Mountainbikes ausgeliehen und sind das Flußtal Richtung Regenwald größtenteils hinuntergerollt (500 Höhenmeter auf 32 km). Zu sehen gab es Wasserfälle in unterschiedlichen Größen, die wir bei Wanderungen gesehen haben. In einem abseits gelegenen Pool haben wir ein erfrischendes Bad nehmen können. Die Kombination des alltäglichen Nachmittagsregen, die Sandpiste und die Mountainbikereifen haben uns ziemlich dreckig aussehen lassen.m Bus ging es zurück, diesmal waren wir die Dreckigsten! Dusche + Wäscherei. Abends rein in die Hauptstraße, wo das Leben tobt. IBanos ist die Partystadt für die Equadorianer und die Traveller.

Am nächsten Morgen sind wir gleich nach Sonnenaufgang in die heißen Quellen gegangen, wo wir die einzigen Gringos waren und entsprechend beschaut wurden. Auch wir haben uns über den Körperbau der Indios informiert, die sonst mit langen Hosen oder breiten Röcken unterwegs sind. Die kalte Dusche war der Wasserfall neben dem heißen Becken.

Als nächstes stand Reiten auf unserem Fitneßprogramm. Zusammen mit drei echten Gringos ging es mit dem Führer, der die Pferde kräftig von hinten antrieb, in die Berge. Ein Zwischenstop wurde an einer Wasserfallkaskade gemacht, wo wir alle in den kalten Pool sprangen. Im ebenen Gelände beschleunigte der Treiber die Pferde über den Trab bis zum Galopp, der uns besser gefiel als der Trab (bup, bup, bup…). Die 400 Höhenmeter bis zum Kreuz über der Stadt waren schnell überwunden, dann ging es über einen steilen und steinigen Kletterpfad runter in die Stadt bzw. nach vorne in den Sattel!!! In der Stadt im Schlußgalopp die Straße runter kam High-Noon-Stimmung auf. Bei der Pizza trafen wir die Italiener wieder, die mit uns auf dem Imbabura waren. Danach fuhren wir per Bus zurück ins laute, dreckige und gefährliche Quito. In Quito erinnerten uns die privaten Wachposten mit Pistole und schußsicherer Weste vor den Restaurants daran, nach dem Abendessen gleich ins Bett zu gehen und uns auf den anschließende Galapagostour zu freuen…

Wolfgang Strache

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