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10. Oberharzer Grenzlanglauf am 19. Februar

Diesen Winter wollte ich erstmalig an einem richtigen Volksskilanglauf teilnehmen. Die populärste Veranstaltung dieser Art im Harz ist der Oberharzer Grenzlanglauf.

Mangels genügend Schnee wurde die traditionelle Strecke von Schierke entlang des früheren Grenzstreifens nach Benneckenstein über 26 km in klassischer Technik diesmal kurzfristig in eine ebensolange Schleife zwischen Schierke, dem Dreieckigen Pfahl und dem Winterberg modifiziert mit insgesamt zweimal rauf und runter zu meisternden Höhenunterschieden von über 300 m.

Das Rennen

Am Start angekommen liegt die Lufttemperatur um die 0°C bei bedecktem Himmel. Der Schnee fühlt sich schon etwas feucht an, ist aber wohl noch einigermaßen kristallin strukturiert. Allerdings wird es sicher im Tagesverlauf deutlich wärmer und 300 m weiter oben mag es auch ganz anders sein als hier. So kursieren Wachstips von Blau, Violett, Silber bis Rot. Die Sponsorwachsfirma präpariert für jeden wer möchte sogar mit Klister durch Trockenwachs abgedeckt!

Da ich wenig Lust verspüre, mich bei diesen komplizierten Schneeverhältnissen auf nicht optimal präparierten Skiern 26 km lang herumzuquälen, entscheide ich mich kompromissweise  für die Schuppenski. Andreas, mein Mitstreiter und ein erfahrener Wachsexperte sowie Kenner der lokalen Besonderheiten vertraut nach kurzem Einlauftest einem Gemisch aus Trockenwachs Silber und Rot. Über die Wachsknobelei kann ich mich als diesmal Unbeteiligter prächtig amüsieren und unbeschwert  frozzeln.

Kurz bevor es losgeht sortiere ich mich gleich hinter den Cracks in einer vorderen Reihe ein. Unter den Läufern ist von ehrgeizig hochmotivierten Leistungs-sportlern über bestens ausgerüstete Kinder- und Jugendskigruppen bis zu Familienausflüglern jede Spezies vertreten. Mit 5 min Verspätung ist das Fernsehen dann auch soweit – Start!

Die breite Masse ruckt an und versucht sich in den höchstens 3 m schmalen Weg zu quetschen. Da ist erst einmal Durchsetzungsvermögen gefragt. Ich versuche, mich durch jede sich auftuende Lücke nach vorn zu schlängeln. Bei zunächst ansteigender Strecke gelingt mir das auch, da mein Schuppenski beim Abdruck ganz ordentlich in die glatte Schneeunterlage beißt. Da läßt sich auch ein kleiner Sturz über die eigenen Stöcke bei einem beherzten Überholversuch verkraften. Allmählich reihen sich die Läufer zweispurig neben- und hintereinander ein. Auf den ersten Kilometern säumen erstaunlich viele Zuschauer die Loipe und feuern jeden selbstlos an. Im flacheren Gelände ziehen bald doch etliche mit Wachsskiern Bestückte an mir vorbei. Bei den Gleitpassagen kann ich wohl nicht mithalten, da die Schuppen merklich bremsen, aber das war ja vorher klar. “Am nächsten Anstieg sehen wir uns wieder!” tröste ich mich. Einzelne Läufer sind zwischendurch, neben der Strecke stehend, damit beschäftigt, dicke Schneestollen unter den Steigzonen der Ski abzukratzen. Haben sich wohl in der Wachskiste vergriffen! Bei der Hälfte des Rennens nach einer Stunde steht erstmal das Verpflegungsbüffet an. Es gibt lecker warmen Tee und Bananenhälften, soviel man will. Nach dieser kleinen Stärkung kommt nun meine stärkste Phase. Während die meisten noch vor mir befindlichen Läufer an der langen Kletterpassage hinauf zum Dreieckigen Pfahl sichtlich mit der nicht vorhandenen Spur und dem inzwischen abgelaufenen oder nicht mehr zutreffenden Steigwachs zu kämpfen haben, putze ich einen nach dem anderen weg und zeige nur noch kurz meine Skienden, bevor ich verschwinde. War doch die richtige Entscheidung für die No-Wachs-Ski. Auf einer der rasanten kurzen Abfahrten wirft es mich wieder in den Schnee. Eine schnelle Rolle seitwärts aus dem Weg rettet mich vor Unangenehmeren. Die letzten Kilometer durch unschweres Terrain wird noch einmal ordentlich gespurtet was die Gliedmaßen hergeben und dann ist's geschafft! 

Nach gut zwei Stunden im Ziel bekomme ich als erstes meine Teilnahmeurkunde einen Anstecker und einen Tee in die Hände gedrückt und kann dann erst einmal auspusten. Andreas ist auch gerade erst rein. Als weitere Stärkung wird dann noch Kartoffelsuppe mit Würstchen gereicht, bevor die Sieger geehrt werden. Zur Entspannung gönnen wir uns anschließend den restlichen Nachmittag Sauna- und Badespaß  im “Vitamar” in Bad Lauterberg.

Ist schon ein besonderes Erlebnis so ein Volksskilanglauf, wo es trotz der Austragungsart mit Zeitnahme und Plazierung doch für die meisten in erster Linie um den Spaß an der Sache ging. Mir hat's jedenfalls soviel Freude bereitet, daß ich gleich am folgenden Wochenende beim nächsten Lauf im Harz wieder dabei war.

Torsten Schäfer

Ergebnisauszug:

Es nahmen teil 157 Herren, 37 Damen

Laufzeiten

1. Sieger: 1:10:36

...

194. Sieger: 4:03:12

Teilnehmen konnte jeder gegen eine Startgebühr von 30 DM inklusive Verpflegung während und nach dem Rennen (sowie bei normalem Streckenverlauf Bustransfer Start-Ziel).

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