Almageller Hütte mit Dri Horlini

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Seilsalat an den Dri Horlini oder Plaisirklettern im Wallis

Plötzlich geht das Licht an. Alles um uns ist in Aufruhr, Stirnlampen funzeln mir in die Augen und hektisches Packen von Material in große Rucksäcke ist in vollem Gange. Ein Blick auf die Uhr schockiert mich vollends. Es ist 4 Uhr früh, – mir fällt ein wir sind in der Almageller Hütte (2894 m) im Wallis, alle brechen auf um die Überschreitung der Weissmies (4023 m) zur Weissmieshütte (2726 m) in Angriff zu nehmen. Aber wir wollen klettern und nachdem wieder Ruhe eingekehrtist, drehen wir uns um und schlafen noch ein paar Stunden bis die Sonne aufgegangen ist und anfängt, die Felsen des nach Südosten exponierten Klettergartens. an den Dri Horlini,auf Handwärme zu bringen. Wenn wir wieder hierher kommen, werden wir in einem Lager übernachten, in dem möglichst wenig Hochtouren geher untergebracht sind.

Nach einem gemütlichen Frühstück in der inzwischen fast leeren Hütte packen wir unsere Klettersachen und hüpfen durch ein großes Blockfeld nach Nordwesten zum Einstieg der von uns auserkorenen Route “Schmetterling” (5-). Vom Wandfuß aus sieht die Tour gar nicht mehr so steil aus wie von der Hütte, und wohlgemut ziehen wir Gurte und Schuhe an und folgen der in der Sonne blinkenden Bohrhakenreihe.

Die ersten zwei Seillängen führen in leichter Reibungskletterei über geneigte Platten (4), dann folgt ein kurzer Quergang nach links. Die Abstände zwischen den Haken betragen hier etwa 3–5 m, die Stände sind mit zwei Bolts eingerichtet. Anders wäre dieser erste Teil der Tour wohl auch nur solo zu begehen, denn kein Riß, kein Klemmblock nimmt eine Bandschlinge oder einen Friend auf .Auch die beiden nächsten Lägen (5-) liegen in einer steileren, kompakten Rinne, die mit einem etwas abdrängenden, aber gut griffigem “Finale” auf einem breiten Grasband endet.

Hier ist dann schon mal Zeit, eine Pause zu machen sich von der Sonne bescheinen zu lassen und den tollen Blick auf die Mischabelgruppe zu genießen.  Von hier aus kann man deutlich sehen, das daß Blockfeld am Fuße der “Dri Horlini” wohl von einem großen Bergsturz herrührt. In mehreren talwärts gerichteten Wällen sind die bis hausgroßen Felstrümmer zur Ruhe gekommen.

Nach knapp hundert Metern Spaziergang auf dem Grasband nach Nordosten finden wir den Einstieg zum zweiten Abschnitt des “Schmetterling”. Leider ist unser Doppelseil nach dem Fußmarsch völlig verwirrt, weil wir beide Stränge zusammen aufgenommen haben, und nun ist alles ein einziger Klumpen. Wir kommen aber zum Glück auch ohne Messer wieder klar, doch der Weiterweg fordert die Psyche des Vorsteigers (des Autors). 100 Meter Luft unter den Sohlen ist er vom Weser-Leine-Bergland nicht gewöhnt, und so ist er dankbar, daß spätestens alle 5 m ein Petzl Longlife freundlich glitzert. Das Geräusch der Schnapper, in die die Seile eingehängt werden, und die Erkenntnis, daß er die Schwierigkeit sicher beherscht (5-), entspannt die Nerven soweit, daß der Genuß der Kletterei durch diesen steilen, zerborstenen Pfeiler in den Vordergrund rückt. Nachdem eine Seillänge überstanden ist, wird klar, daß viele der Haken auch durch selbst gelegte Sicherungspunkte zu ersetzen wären, was den Reiz durch die Selbstverantwortlichkeit in der Tour erhöhen würde.

Nach drei weiteren Ständen legt sich der Fels zurück, und die letzte Seillänge endet nach Blockkletterei (3) in einer Scharte kurz unterhalb des höchsten Punktes des Felsriegels (3096 m).

Schön und ausgesetzt ist es hier, der Kamm bricht nach Nordosten jäh in das Rottal ab. Von hier kann man auch den Grat der “;Dri Horlini” einsehen, dessen Überschreitung zu den “schönen klassischen Klettereien im Saastal” gehört (Zitat: Gebietsführer Hochtouren im Wallis SAC). Diese alpin abgesicherte Tour im vierten Schwierigkeitsgrad habe ich mir für einen eventuell weiteren Besuch schon vorgenommen.

Nachdem wir das Panorama der großen Walliser Berge ausgiebig bewundert haben, machen wir uns ans Abseilen. die Piste ist für 40 m Doppelseil eingerichtet, man wäre also schnell wieder am Ausgangspunkt. Nur was das Abseilen über mehrere Stände angeht, haben wir leider überhaupt keine Übung. Die Seile verdrehen sich ineinander beim Abziehen oder verhängen sich mit einem Ende im Fels, so daß man rütteln, schleudern oder zerren muß, bis es wieder frei kommt. Beim ersten Versuch verknoten wir die Seilenden einzeln. Als das Seil abgezogen wird, kann ich gerade noch sehen, wie ein Ende mit Knoten an mir vorbei nach oben entschwindet. Genervt steige ich mit dem zum Glück noch vorhandenen Strick hinterher. Nachdem wir beim nächsten Mal beide Enden miteinander verknotet haben, bleibt der ganze Salat beim Auswerfen an einer Felszacke hängen, so daß der zuerst Abseilende seine liebe Not hat, alles zu entwirren.

Das ganze Theater ist jedoch vergessen, als wir wieder am Wandfuß stehen und weitere Routen in Augenschein nehmen, die man in Zukunft noch machen könnte. Die Auswahl ist groß, über zwanzig sehr gut gesicherte Touren ab dem 4. bis zum unteren 7. Schwierigkeitsgrad sind vorhanden. Uns reicht es aber für diesmal, wir gehen zur sehr gastlichen Almagellerhütte zurück und steigen am nächsten Morgen ins Tal ab

Info:

Zugang zur Almageller Hütte (2894 m) von Saas Almagell (1673 m) 2 Stunden. 116 Plätze, im Sommer bewirtschaftet.

Alfred Budenz

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