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Jede Woche Mittwochs, KletterKids

Jeden Mittwoch stellen sich mir viele Fragen: Wie viele Kinder werden heute kommen? Wie wird ihre Laune sein? Sind sie völlig kaputt von einem langen Schultag oder platzen sie vor Energie aus allen Nähten?

Nach Feierabend um 16 Uhr setze ich mich auf mein Fahrrad und lasse den Arbeitstag weiter hinter mir, je mehr ich mich der Waldorfschule nähere. Die Kletterhalle ist  ruhig und aufgeräumt, die Matten stehen in Reih und Glied an der Wand, niemand ist da.

Was wollen wir heute tun? Ich fange an, mit der schrägen Sprossenwand, Seil und Zwischensicherung einen Klettersteig zu improvisieren. Die Tür geht auf, Flori guckt um die Ecke: “Was machen wir denn heute?” “Wir gehen in die Alpen,” antworte ich und ernte ungläubiges Staunen. Er will gleich ganz in die Halle kommen, doch ich scheuche ihn erst mal zum Umziehen in die Kabine.

Inzwischen ist auch Heiko da, zusammen beenden wir den Aufbau. Florian kommt mit Tobias und Malte zurück, Saskia kommt in die Halle gerannt, Annika trudelt mit Tim ein, zum Schluß wird Sonja von Ihrem Vater gebracht. Mit der Ruhe ist's vorbei. Ein wildes Gewusel fängt an, nach meiner Erfahrung ist der Moment gekommen, indem sich entscheidet, ob die Stunde gut wird, oder in Chaos mündet.

“Was& machen wir heute?” tönt es von allen Seiten. “Zieht bitte alle gleich Gurte an, wir gehen heute ins Gebirge!” Heiko verteilt das Material, gemeinsam helfen wir beim Anlegen. Der Altersunterschied macht sich bemerkbar, manche sind ganz selbständig, den Anderen muß man mehr helfen. Alle sollen zu Ihrem Recht kommen, und ich muß sehr aufpassen, keinen zu benachteiligen.

Dann geht die Reise los: “Wir gehen heute ins Gebirge!” Im Gänsemarsch ziehen wir in Schlangenlinie durch die Halle. “Links ist ein tiefer Abgrund, alle hintereinander bleiben!” Jemand muß natürlich vordrängeln. “Du bist abgestürzt, geh' bitte ganz an den Schluß!”, rufe ich, was natürlich wilden Protest zur Folge hat. Die Reihenfolge bleibt erhalten, danach klappt es mit der Disziplin. “Wir kommen an eine Stelle, die mit Drahtseilen gesichert ist!” verkünde ich. Die Gruppe ist am Fuße der Sprossenwand angekommen, wir erklären die Sicherungstechnik mit zwei Bandschlingen und Karabinern, alle sind mit Feuereifer bei der Sache. Das Problem ist die Wartezeit, bis jeder dran kommt. Aber Warten gehört dazu, alle müssen da bleibe, bis sie an der Reihe sind.

Um die Bande bei der Stange zu halten, und auch um selber ein bißchen Spaß zu haben, klettere ich in die Mitte der Sprossenwand und simuliere mit Gewackel und Geheul, “Blitz!!” und “Donner!!” Gebrüll ein Gewitter im Hochgebirge. Was tut man nicht alles ,um seine Schäfchen bei Laune zu halten!

Als alle durch sind, gibt es einen zweiten Durchgang mit verschärfter Schwierigkeit, die schräggestellte Sprossenwand von hinten zu erklettern, was einen Überhang von ca. 130 Grad ergibt. Da haben auch die Großen ganz schön zu kämpfen, zumal sie beim klettern auch die Karabiner an den Befestigungspunkten umhängen müssen.

Aber sie sind ja pfiffig, sie hängen sich mit den Knien in die Sprossen und haben so beide Hände frei. Ich freue mich herzlich, wie undogmatisch und erfindungsreich die Kinder solche Bewegungsprobleme lösen.

Nicht alle wollten ein zweites Mal klettern, und so gibt es  zwei Gruppen nebeneinander, eine, die ehrgeizig mit Schraubern und Seil kämpft, mit der Anderen albern wir herum, haben Zeit noch mal Knoten zu wiederholen oder einfach locker Ball zu spielen.

Die Zeit läuft, Heiko mahnt an, die Kletteranlage abzubauen und die Matten für die folgende Frauenklettergruppe bereitzulegen. Es ist schwer, ein Ende zu finden. Nach einer turbulenten Stunde wie heute den Hahn zuzudrehen, damit die Sache sanft zu Ende kommt gelingt uns selten. Auch diesmal müssen wir die Meute mehr oder weniger aus der Halle werfen, um unsere Hallenzeit nicht zu sehr zu überziehen, und die Geduld der “Starken Frauen”, die nach uns klettern wollen, nicht zu überspannen.

Die Fragen der abholenden Eltern sind geklärt, die Kinder sind weg, auch in der Kabine ist es leer. Es ist ganz ruhig. Ich ziehe mich alleine um, und bin zufrieden und froh. Es war eine gute Stunde heute.

Alfred Budenz

In der Kletterhalle der Waldorfschule am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer in Hannover treffen sich jeden Mittwoch von 16.30 - 18.00 Uhr Jungen und Mädchen im Alter von ca. 7-13 Jahren, zum Klettern, Spielen und Spaß haben.

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