Frühsport am Nonnenfels (Kletterfahrt in die Pfalz 2001)
Ein klassischer Kletterweg, den man an der Nonne unbedingt versucht haben muß, ist die “Lutzverschneidung”. Besonders der Einstieg sieht spektakulär aus, denn diese 2-Seillängentour beginnt ohne große Umschweife gleich mit einer 12m langen abdrängenden Piazpassage entlang des Verschneidungsrisses, nur spärlich komfortabel abgesichert durch zwei Ringe. Das heißt je nach Größe des Selbstvertrauens ist das kontinuierliche Legen von zusätzlichen Sicherungen angebracht, um einem “Grounder” vorzubeugen, falls einem die Unterarme schon vor dem ersten Ring platzen.
Um dieses Vorhaben ungestört und frisch angehen zu können, nehmen Gabriel und ich uns vor, gleich am nächsten Morgen einzusteigen. Gegen 7 Uhr, erstaunlicherweise schon taghell, pellen wir uns aus den Schlafsäcken. Schnell werden die dringendsten Geschäfte und ein Powerriegelimbiß erledigt.
“Ein toller Riß!” findet Gabe, als wir kurz danach davorstehen. Da die untere Seillänge auch “nur” mit 6 bewertet ist (die obere 6+) möchte Gabriel diese vorsteigen. Ich überlasse ihm gern den Vortritt. Gleich unten versenkt er in kurzem Abstand Friends sicher im Verschneidungsriß. Wie anstrengend das Piazen ist, kann ich schon nach den ersten Metern gewonnener Höhe am Vibrieren seiner Beine erkennen. Plötzlich purzelt der zuletzt gelegte Friend aus dem Riß, quittiert seinen Dienst als Zwischensicherung, rutscht am Seil talwärts und rüttelt zu allem Überfluß auch noch den nächsten Friend unterhalb aus dem Riß. Die Vibrationen müssen sich wohl durch das Seil übertragen haben. Mir wird mulmig bei diesem grausigen Anblick für jeden Sichernden, denn ein 5m-Sturz würde nun unweigerlich hart am Boden enden. Ich überlege schon ob ich in Fangaufstellung gehen soll oder besser von meinem Standplatz etwas nach unten springe? Ruhig versuche ich Gabe klarzumachen, daß er jetzt sofort noch eine Sicherung anbringen muß, bevor die Finger aufgehen, denn der erste Ring wartet erst zwei Meter höher. Auch Gabe ist der Vorgang nicht verborgen geblieben und unter heftigem Zittern des ganzen Körpers fingert er doch noch einen Friend in den Riß und schafft es auch noch das Seil in den Karabiner einzuhängen, bevor er sich setzt. Uff! Beide können wir erst einmal entspannen und Gabe seine dicken, wahrscheinlich betonharten Unterarme wieder weichschütteln. Noch ein kleines Stück weiter und der erste Ring ist geklinkt. Jetzt kann nichts mehr passieren. Der restliche Weg bis zum Stand geht dann wesentlich schneller. Mühsam steige ich nach und pro Höhenmeter steigt auch mein Respekt vor der Vorstiegsleistung in einer solchen Tour. Vor ein paar Jahren soll der unterste Ring noch gar nicht vorhanden gewesen sein – unglaublich!
Die zweite Seillänge gehe ich nun voraus. Oben kommen noch zwei kräftigere Einzelstellen aber wenigstens sicherungstechnisch-moralisch gibt es keine derben Herausforderungen mehr zu bewältigen. Auf dem Gipfel angekommen, kann ich nun das Panorama auf den Bärenbrunner Hof, die vollbelegte Zeltwiese und den Klosterfels gegenüber genießen. Was das doch für eine schöne Ecke hier ist! Auch Gabe, der sich am Start schon verausgaben mußte schafft es noch hinauf. Beifällig blöken die Kühe lauthals durchs Tal. Inzwischen sind die anderen aufgestanden und schon beim Frühstücken! Zeit für uns abzusteigen und uns bei einem Imbiß wieder zu stärken. Eine tolle Tour!
Torsten Schäfer