Ausblick von der Schwäbischen Alb
Schwäbische Alb, am Wandfuß
Schwäbische Alb, Kletterfelsen

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Die Schwäbische Alb

von Verena Bähr

Die schwäbische Alb, die Karsthochfläche zwischen Schwarzwald und Neckar im Westen, der Donau im Süden und Osten und der Rems im Norden. Grob gesagt zwischen Aalen und Albstadt. Die Randbereiche sind von tief einschneidenden Tälern gefurcht. Es gibt unzählige Burgen und Ruinen, Höhlen (über 200 bekannte), Dolinen, Buchenmischwälder, Streuobstwiesen und Wacholderheiden. Und natürlich viele Felsen.

Hier lässt es sich wunderbar Wandern, Radfahren, Segel- und Drachenfliegen und Ausblicke geniessen. Im Winter bietet die Alb Langlaufloipen, einige wenige Skilifte mit Abfahrten, und Rodelgelände. Mit Höhenlagen um die 800 m war die Alb im letzten Winter ein sehr schneesicheres Gebiet. Von Stuttgart ist die Schwäbische Alb in ca. einer Autostunde erreichbar, mit dem Zug, teilweise im Verkehrsverbund Stuttgart, in eher eineinhalb Stunden an den westlichen Albtrauf.

Auf der Schwäbischen Alb klettern heisst hauptsächlich ab dem 6. Grad aufwärts unterwegs sein. Darunter sind die Touren dünn gesät. Aber auch in den schwereren Routen sagt die Bewertung nicht alles. Leider ist die Felsqualität sehr uneinheitlich. Vielfach wird ausdrücklich auf den alpinen Charakter hingewiesen. Das bedeutet gut behütet und mit zusätzlichem Sicherungsmaterial an meist nicht überbohrten Wänden klettern.

Die Kletterfelsen sind in 4 Bänden beschrieben, erschienen im Panico Verlag:

Es gibt unzählige Felswände und -nadeln in unterschiedlicher Felsqualität, von denen aber die meisten nicht (mehr) zum Klettern freigegeben sind. In Baden-Württemberg gibt es das Biotopschutzgesetz vom 1.1.92, wonach alle offenen Felsbildungen einem totalen Kletterverbot unterliegen. Für einige Felsen oder Felsteile gibt es Ausnahmegenehmigungen, sodass sie beklettert werden können. Zu diesem Erhalt von Klettergebieten hat wesentlich der Arbeitskreis Klettern und Naturschutz beigetragen, der sich aus DAV Sektionen und Ortsgruppen, IG Klettern Schwäbische Alb, Bergwacht und Privatpersonen zusammensetzt. Die 100 Jahre alte Albkletterei kann somit fortgeführt werden. In zeitlichen Kletterverboten werden z.B. Brutplätze von Dohle, Kolkrabe, Wanderfalke und Uhu geschützt.

Eine der grössten Kletterfelsdichten liegt um das Städtchen Bad Urach im Ermstal. Der Rutschenfels, ein grosses Felsmassiv mit vielen Routen, von denen aber nur wenige geklettert werden dürfen, und dann auch nur 8 Wochen im Jahr, ist ein gutes Beispiel für die Einschränkungen, die das Biotopschutzgesetz mit sich brachte. Die Kletterei wird hier mit alpin beschrieben, trotz Sanierung ernste Kletterei. In diesem Tal, über der Stadt Bad Urach, wird links und rechts des Flüsschen Erms geklettert, linksseitig sind die Felsen vorwiegend nordgerichtet, rechts der Erms südgerichtet. Zum Teil also Ganzjahresklettereien. Wer in diesem Gebiet französische Verhältnisse sucht: die Baldecknadeln sind wohl endlos eingebohrt, eine Ausnahme.

Die Schwäbische Alb bietet Kletterfamilien, gemischten Gruppen, und Genusskletterern etwas besonderes: es gibt Unmengen an Grillplätzen. Häufig muss nicht einmal das Holz mitgebracht oder zusammengesucht werden. Beispiele in diesem Gebiet sind der Spielplatzfelsen, Sirchinger Nadeln. Etwas talauswärts, mit herrlichem Gipfelblick in das Neckartal, auch der Rossfels und Wiesfels. Letzterer ist nur leider oft zu voll, da viele leichte Routen vorhanden sind. Erreichbar sind die Felsen im Uracher Gebiet auch mit öffentlichen Verkehrsmittel. Wir haben schon Bahn-Rad-Fuss-Weg gemischt und waren von Stuttgart in 1,5–2 Stunden am Fels. Die Klettermeter im Uracher Gebiet sind zw. 10 und 45 m, meist bis 30 m hoch.

Von Stuttgart aus gut erreichbar ist auch das Klettergebiet Lenninger Tal. Vom Parkplatz Hohen Neuffen kann man direkt in den Neuffener Parkplatzfelsen abseilen. Bis 20 m Felshöhe, nette Kletterei und oft voll. Der Wielandstein, ein rundum zu bekletternder Kalkstotzen an einer Burgruine, bietet viele leichte Routen, einen Grillplatz und eine grosse Lagerstätte für Familien und Kurse/Gruppen. Gute Felsqualität und angenehme Infrastruktur zieht viel Klettervolk an. Ein leicht erreichbarer kleiner Kletterfels ist der Kompostfels, abschreckender Name, aber gute Kletterei in allen Schwierigkeiten. An den Wandfuss seilt man ca. 20 m ab, der Abstieg ist nicht empfehlenswert. Trotz guter Autoerreichbarkeit ohne Wanderung war bisher fast nichts los.

Die Kesselwand ist mit Wandhöhen von 15-50 m, 140 Routen und stellenweise super Felsqualität ein attraktives Ziel für Sportkletterer mit Leistungsanspruch. Die Bewertungen liegen zwischen 5+ und 10-. Die Kesselwand gilt als das Massiv für Könner in diesem Gebiet. Aber Vorsicht: auch hier bröselt es zuweilen, weshalb der Kletterführer zum Thema Sicherung schreibt: sinnvolle Sicherung mit Klemmkeilen ist nicht möglich, deshalb ist alles mit Bühlerhaken saniert. Meist reicht ein Bündel Expressschlingen. Der Reussenstein bietet Klettereien rund um die gleichnamige Ruine, in einer Tour auch einen originellen Ausstieg: Alfreds Ausstieg scheiterte fast an einer Schar Kinderköpfe, die ihn, vor Neugierde eng zusammen gepresst, nicht in den Burghof lassen wollten; fast wie zu Ritters Zeiten. Der Reussenstein gilt als das leichte Pendant zur Kesselwand, guter Fels, gute Wandhöhen, viele Routen und viel Publikum.

Insgesamt ist das Lenninger Tal ein schönes Gelände zum Radfahren im Tal und in den Höhen, zum Wandern (Obstbaumwiesen, tolle Aussicht vom Albtrauf) Klettern, Grillen, Langlauf und Schneewandern.

In der Ostalb waren wir zwar schon Wandern aber erst einmal zum Klettern. Für die Kletter-Anfahrt ist teilweise ein Auto sinnvoll, für wirklich entschlossene geht es natürlich überall per Bahn und Pedes, oder Bahn und Rad. Die Felsen liegen weiter verstreut, bieten wie üblich auf der Alb alle Felsqualitäten. Der Kletterführer spricht aber zum Teil von erlesener Güte und immer charakterlich sehr eigenen Felsen. Der Kletterführer Ostalb teilt sich in drei Gebiete: Filstal westlich von Geislingen mit vielen einzeln stehenden Felsen, das Roggental nordöstlich von Geislingen und die rauhe Ostalb, das Schwäbisch Sibirien, mit weit verstreuten Felsen südlich von Aalen. Gerade diesem Teil schreibt der Kletterführer herrliche Landschaft und erlesene Felsqualität zu.

Unser bisher einziger Ausflug galt denn auch dieser Region, dem Rosenstein, schöne Kletterei an festem Fels, aber an Wochenenden überlaufen. Wir hatten Glück, es war noch früh im Jahr, mit Schneeresten und spätem Sonneneinfall. Nahe dabei eine Waldschänke und ein Kinderspielplatz, auch zum Wandern ist viel Gelände vorhanden. Die Wandhöhen betragen bis 40 m. Der Rosenstein ist in drei Sektoren gegliedert, die von steilen Wandklettereien über Lochwände bis Plattenschleicherei viel Unterschiedliche Angebote machen. Auch die Schwierigkeitsgrade sind angenehm verteilt von 4 bis 10+.

Über den vierten Kletterführer Blautal kann ich bisher nur schreiben, dass wir ihn haben, aber noch nicht dort Klettern waren. Eine Albüberschreitung hat uns vor zwei Jahren schon nach Blaubeuren geführt, das mit dem Blautopf ein imposantes Naturerlebnis, mit Kloster und Museum auch Kulturerlebnis bietet. Von Blaubeuren aus sind auch die Felsen zu sehen, aber: in einer der nächsten Ausgaben mehr von der Alb.

Die schwäbische Alb ist vielleicht nicht das Kletterziel, das die Norddeutschen anzieht wie die Motten das Licht. Für Kletterfreudige, die auch eine abwechslungsreiche Zeit in wundervoller Umgebung verleben möchten, die Natur und Kultur verbinden wollen, bietet die Schwäbische Alb von Geologie über die Römer zu Fastnachtsbräuchen, Burgen, Ruinen, Aussichten, Höhlen, Obstwiesen und Obstlern und Wein für jeden Geschmack etwas.

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