Klettern am Rennsteig, Thüringen
Dieses Jahr zog es eine Handvoll Kletterer über das lange Himmelfahrtswochenende in den Thüringer Wald, bisher unbekannte Kletterfelsen zu erkunden. Insbesondere hatten wir uns als Ziele die nahe beieinander liegenden Gebiete Schmalwassergrund und Lauchagrund auserkoren. Als Basislager diente uns ein netter nahegelegener Campingplatz (“Paulfeld” in Catterfeld).
Der Lauchagrund bei Tabarz bot uns etliche Routen an mehreren im Wald versteckten Massivwänden und freistehenden Gipfeln, von denen wir einige am 50 m hohen Aschenbergstein bekletterten. Speziell im 5. bis 6. UIAA-Grad gab es dort ein paar sehr schöne Wandklettereien. Insbesondere der Gipfelstürmerweg(5+) und die Herbstidylle (6) sind mir davon im Gedächtnis geblieben. Auch der 25m hohe Findling, wo wir zum Schluß noch kurz vorbeischauten, sah sehr vielversprechend aus mit teilweise noch schwereren Wegen z. B. dem knackigen aber sehr gut abgesicherten Freundschaftsweg (7).
Das meist recht feste Porphyr-Felsgestein fühlte sich zunächst für alle etwas gewöhnungs-bedürftig an. Die Kanten waren manchmal recht scharf und die Reibung fiel recht unterschiedlich aus. Vieles wackelte, klang lose, hielt aber trotzdem. Mittels Bohrhaken waren die Routen meist ausreichend abgesichert und ließen sich keilweise gut ergänzen. Eingerahmt wurde das ganze vom Blick über die endlosen scheinenden Waldflächen auf die markanten Gipfelaufbauten des Inselsberges.
Bei Tambach-Dietharz, nur wenige Kilometer östlicher gelegen, statteten wir auch dem Schmalwassergrund eine Klettervisite ab. Dieses Gebiet ist geprägt durch Thüringens höchsten (96m) Klettergipfel, den Falkenstein. Nach dem etwas längeren Zustieg war der Anblick dieses Felsklotzes recht beeindruckend.
Auch das Ambiente mit der gemütlichen Picknick-Wiese vor der Südwand empfand ich als sehr angenehm. Das Touren-angebot reichte hier von aus-gesetzten Techno-Climbs bis zu Freikletterrouten aller Schwierigkeitsgrade. Vielleicht am schönsten ließ sich der Falkensteiner Riß, eine 40 m lange 5er-Verschneidung, klettern. Ansonsten war auch die Ostkante als leichterer Weg auf den Gipfel und Gewöhnungstour in Ordnung. Für weitere Besuche habe ich mir schon einige Mehrseillängenrouten durch die hohe Westwand ausgeguckt.
Nach dem Bergsteigen gönnten wir uns alle erst einmal ein Bierchen gleich nebenan bei der Bergwacht, wie praktisch! Abschließend ließen wir uns noch einmal das original Thüringer Rostbrätl munden, bevor wir wieder gen Heimat starteten.
Sicher wird das nicht der letzte Ausflug dorthin gewesen sein, da wir die lohnenden Klettermöglichkeiten noch lange nicht ausgereizt haben, die Felsen selbst an diesem langen Wochenende nicht überfüllt waren und zudem das Drumherum mit preisgünstigen Einkehrmöglichkeiten und dem alternativen Wanderangeboten am nahen Rennsteig stimmt. Außerdem ist die Anreise mit dem Auto von Hannover, normal in 3 Stunden, akzeptabel.
Torsten Schäfer
