aus dem   Heft 2 / 2002:

Wildkatzen in Niedersachsen

Es gibt sie wirklich noch: Wildkatzen in Niedersachsen. Nicht etwa verwilderte Hauskatzen. Wildkatzen und Hauskatzen können zwar sehr ähnlich aussehen und zeigen ähnliche Verhaltensweisen. Die Hauskatze stammt aber nicht von unserer Wildkatze ab, sondern von der ostafrikanischen Falbkatze. Die Hauskatze wurde als fremdländisches Tier bei uns eingeführt. Unsere echte Wildkatze kommt dagegen von Natur aus in Deutschland vor, sie ist hier heimisch. Deshalb ist sie ein fester Bestandteil unseres Naturerbes. Wildkatzen sind heute selten und gefährdet. Aber noch gibt es sie in Niedersachsen und sie können sich wieder ausbreiten.
Die scheue, meist einzelgängerische Wildkatze konnte sich bis heute nur dort halten, wo sie vor menschlicher Verfolgung und Störung sicher war und wo sie noch relativ naturnahe Lebens-räume fand.  Sie ist deshalb heute zu Recht ein Symbol für die letzten Flecken Wildnis in unserer Landschaft.
Wo Wildkatzen leben können, finden viele andere seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Sie kann uns eine Antwort auf die Frage geben, ob die Tier- und Pflanzenwelt unserer Heimat wenigstens noch in Resten so unversehrt ist, wie wir es gerne glauben.
 

Wo leben Wildkatzen?



Wildkatzen lieben reich strukturierte Laub- und Mischwälder mit sonnen-exponierten Wiesen, Wildwiesen, Lichtungen, Pflanzgärten und Altholzinseln, kurz gesagt vielfältige Wälder mit den unterschiedlichsten Randstrukturen, die die Sonne erreichen kann. Denn: Dort gibt es Mäuse!
Im Harz suchen sie besonders gern im Winter sonnenbeschienene Hänge in tief eingeschnittenen Laubwaldtälern auf, wo die Sonne durch ihren günstigen Einfallswinkel noch wärmt und zudem den Schnee wegtauen kann. Höhere Gebirgslagen werden im Winter oft gemieden, da schon Schneehöhen um 20 bis 30cm lebensfeindlich für die Tiere sind.
 

Auf leisen Pfoten zurück - aber wie?

Wildkatzenschutz bedeutet, ihre noch vorhandenen Lebensräume zu erhalten und ihr zu ermöglichen, neue geeignete Gebiete zu erschließen. Wir brauchen waldnahe Wiesen und einen möglichst großflächigen Aufbau strukturreicher, teilweise offenen Wälder mit Alt- und Totholzanteilen aus bodenständigen Gehölzarten, die Nahrung und Verstecke bieten.
Nachdem Bär, Luchs und bis jetzt auch der Woff gehen mussten, liegt uns nun endlich das Überleben der Wildkatze am Herzen?
Die Wildkatze ist ein Mosaiksteinchen der Lebensgemeinschaft der natur-nahen Waldlandschaft. Erhalten und entwickeln wir diese Landschaft, profitiert die Wildkatze davon genauso, wie alle hier heimischen Wildtiere. Erhalten wir die Wildkatze, kommen wir der Natur ein kleines Stückchen näher.
 

Wildkatze? Hauskatze?

Die Unterscheidung von Wild- und getigerten Hauskatzen ist oft nicht einfach. Es gibt jedoch einige Merkmale, die zumindest bei typischer Ausprägung eine Einschätzung zulassen:
 
Unterscheidungsmerkmale zwischen Wild- und Hauskatze
 Wildkatze Hauskatze
Fellmuster vermischte Zeichnung meist kräftig durchgezeichnet
Körperbau plumper (langhaarig), Läufe dick schlanker (kurzhaarig), Läufe dünner
Kopfform wuchtig, breiter Schnauzenteil zarter, schlanker
Nasenspiegel hell, fleischfarben oft dunkel
Ohrform klein wirkend, da längeres Kopfhaar groß wirkend, da Kopfhaar kürzer
Schwanzform stumpfendig, stark buschig spitzendig, kurzhaarig
Schwanzmusterung deutlich dunkle Ringe, in der hinteren Hälfte um 4 cm langes, schwarzes, stumpfes Schwanzende meist nicht so scharf, helle Felder silbergrau gefärbt, schwächer ausgebildet
Wildkatze und Hauskatze

Michael Lindrum

(Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Ökologie - www.nloe.de)