aus dem Höhenrausch Heft 3/2002:

Tipps für Kletteranfänger

(unter Verwendung eines Textes von Christoph Deinet, auf der Web-Site www.on-sight.de)

Nicht auf eigene Faust losziehen!

Laßt euch in das Klettern von jemandem einführen, der selbst schon seit vielen Jahren klettert und alle Tricks und Kniffe kennt. Klettert niemals ohne erfahrenen Führer, wenn ihr die Details der Sicherungstechnik in erster Linie nur aus dem Lehrbuch kennt. Klettern ist eine relativ sichere Natursportart, wenn man weiß, was man wann sicherungstechnisch zu tun hat. Wenn man mit mangelnden Kenntnissen der Sicherungstechnik am Fels ist, können auch scheinbar kleine Fehler lebensgefährliche Situationen herbeiführen.

Kletterkurse als Einstieg

Zum “Hineinschnuppern” in das Klettern eignen sich sehr gut Wochenendkurse, wie sie z.B. preisgünstig von Alpenvereinssektionen angeboten werden. Wenn man sonst keine Kletterer in seinem Bekanntenkreis hat, lernt man diese als potenzielle Kletterpartner für danach leicht in Kletterkursen kennen. Vorteilhaft ist auch, daß man die komplette Ausrüstung erst einmal ausleihen, das Klettern an ausgesuchten “leichten” Touren ohne Überforderung probieren kann und durch kompetente Erklärungen schnell Vertrauen und Sicherheit gewinnt.

Man sollte auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Teilnehmerzahl und Ausbilder achten. Kletterkurse für Anfänger können allerdings in der beschränkten Zeit nicht sehr viel eigentliches Klettern vermitteln, da in der Regel viel Zeit mit dem Erlernen der sicherungstechnischen Grundbegriffe und -verhaltensweisen zugebracht werden muß.

Sucht Anschluß!

Alleine – “solo” – klettern ist Könnern vorbehalten. Wenn ihr nicht unbedingt mit einem Kletterkurs beginnen wollt, sucht euch eine Gruppe von Kletterern, der ihr euch anschließen könnt, und die euch das Klettern beibringen kann (für Anfänger keine zu unterschätzende Hürde). In den meisten Fällen wird es das günstigste sein, wenn ihr euch an die nächstgelegene Sektion des Deutschen Alpenvereins wendet und euch dort nach der Klettergruppe erkundigt. Wenn ihr das erste mal zu einer fremden Klettergruppe hinzustoßt, bringt die Absicht mit, zur nächstbesten Gelegenheit zum Klettern mitzugehen – am besten ein ganzes Wochenende. Am Fels lernt Ihr zukünftige Kletterpartner und -freunde kennen, nicht in geschlossenen Räumen. Seid gerüstet für Wochenenden im Zelt.

Ausrüstung

Als Kletteranfänger braucht man nicht allzuviel Ausrüstungsgegenstände. Das mag die eine oder den anderen überraschen, aber man lernt ja das Klettern nicht alleine. Und fast immer ist es so, daß ein(e) erfahrene(r) Kletterpartner(in) mit vielem für die ersten Schritte aushelfen können.

Für den dauerhaften Einstieg (Nachstieg) sollte man sich folgende Ausrüstungsgegenstände zulegen:

Fortgeschrittene mit Vorstiegsambitionen brauchen zusätzlich:

Laßt euch von erfahrenen Kletterpartnern in Ausrüstungsfragen beraten.

Denkt an die Natur!

Verhaltet euch immer umweltschonend, am besten nach der klassischen Outdoor-Philosophie keine Spuren zu hinterlassen. Macht euch mit dem Thema Klettern und Naturschutz vertraut. Lernt eure Klettergebiete nicht nur als Kletterrevier sondern auch als Biotop kennen. Seht in den Felsen kein Sportgerät sondern einen Partner, den ihr bewahren und schützen müßt. Beschäftigt euch mit der Problematik der Kletterverbote. Beachtet bestehende Kletterreglungen. Engagiert euch gegen unsinnige oder überzogene Kletterbeschränkungen.

Laßt euch Zeit!

Verderbt euch nicht den Spaß am Klettern durch zu großen Ehrgeiz. Das Erlebnis sollte euch wichtiger sein, als allein einen bestimmten Schwierigkeitsgrad zu meistern.

Denkt daran, daß das "Wie" einer Begehung wichtiger ist als das "Was".

Laßt euch als Anfänger nicht von Kletterpartnern, Kletterführern oder Trainern unnötig unter Druck setzen. Entwickelt ein Gefühl für eure eigene Leistungsfähigkeit, eure klettertechnischen Stärken und Schwächen. Wenn ihr beim Klettern im Nachstieg mehr im Seil sitzt als euch zu bewegen oder ständig Seilzug benötigt, solltet ihr es besser mit einer leichteren Route versuchen - Ausnahme: Ihr möchtet anhand dieser Route explizit eine bestimmte Klettertechnik einüben

Klettert draußen!

Erlernt das Klettern an Naturfelsen. Künstliche Kletterwände bieten gegenüber dem natürlichen Fels nur ein sehr eingeschränktes Spektrum an Strukturen und Bewegungsformen. Ihr erlernt die hallentypischen Bewegungsformen zwar schnell und könnt am Kunstfels rasch in höhere Schwierigkeitsgrade vordringen. Wenn es euch aber nach monate- oder jahrelangem Hallenklettern einmal an natürlichen Fels verschlägt, und ihr kein über allen Durchschnitt erhabenes Klettertalent seid, werdet ihr überrascht sein, welche Ansprüche die Baumeisterin Natur an Bewegungsmustern und Bewegungsphantasie an euch stellt.

Klettert vielfältig!

Fixiert euch als Anfänger nicht darauf, allein in ein paar wenigen Klettergebieten unterwegs zu sein. Laßt euch von der Vielfalt der Klettergebiete, der Gesteine, der Landschaften und nicht zuletzt auch von den verschiedenen Spielformen des Kletterns selbst begeistern. Lernt neue Bewegungsmuster und Klettertechniken kennen, in dem ihr an vielen verschiedenen Gesteinsarten klettert.

Legt euch als Anfänger nicht zu früh auf eine bestimmte Spielform fest. Bleibt immer offen für anderes. Wenn ihr gerne bouldert, fahrt Sie auch mal in die Berge und umgekehrt. Denkt daran, daß  nur der Kletterer einen bestimmten Schwierigkeitsgrad wirklich beherrscht, der diese Schwierigkeit in vielen verschiedenen Gebieten mit unterschiedlichen Gesteinen, Routenlängen sowie kletter- und sicherungstechnischen Ansprüchen bewältigen kann.

Anfänger brauchen kein Krafttraining

Viel Kraft ist verlockend, da man schnell in höhere Schwierigkeitsbereiche vordringt.Das Problem bei Anfängern besteht aber darin, daß diese zunächst lernen müssen auch am Fels auf den Füßen zu stehen, anstatt an den Armen zu hängen. Dies zu erlernen wird erfahrungsgemäß schnell vernachlässigt, wenn Anfänger viel Kraft haben - genügend Kraft um sich überall hochzuziehen. Eine solche Entwicklung rächt sich aber irgendwann in höheren Schwierigkeitsgraden. Ab einem bestimmten Niveau geht es einfach nicht mehr ohne Technik. Sie geraten in eine Sackgasse.

Da das Klettern am Kunstfels tendenziell sehr athletisch ist, und ihr durch das Kunstwand-Klettern schnell Kraft aufbaut, gibt es als Anfänger noch einen Grund mehr, sich nicht zu häufig an Kunstwänden blicken zu lassen.

Da Kinder im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht viel Kraft besitzen, und diese wachstumsbedingt sehr schnell steigern, ist dieser Aspekt vor allem bei Kindern zu beachten. Die relative "Kraftlosigkeit" als Anfänger ist im übrigen ein Grund dafür, warum sich viele kletternde Frauen eine bestechende und vielen Männern überlegene Klettertechnik angeeignet haben.

Nicht zu früh vorsteigen!

Anfänger sollten erst einmal Klettern-Lernen statt Vorsteigen-Lernen. Bevor Sie an das Vorsteigen denken, sollten Sie die grundlegenden Klettertechniken beherrschen und sich ein Mindestmaß  an Kletter- und Sicherungsroutine angeeignet haben. Das Erlernen der verschiedenen Klettertechniken sollte daher zu Beginn Vorrang haben, vor dem Erlernen der speziell für den Vorstieg benötigten Sicherungskenntnisse

Die Länge der Nachsteiger-Phase ist aber natürlich von verschiedenen Faktoren abhängig. Wer Klettertalent besitzt und mit der Sicherungstechnik keine Probleme hat, kann ebenso frühzeitig an den Vorstieg herangehen, wie jemand, der nur im perfekt abgesicherten Klettergarten oder an der Kunstwand unterwegs ist. Vorsicht ist dann aber beim Besuch von Klettergebieten geboten, die anspruchsvolleres Terrain bieten, welches z.B. selbst abgesichert werden muß, unübersichtlich oder brüchig ist. In diesem Fall oder als Vorstiegsneuling sollte die Schwierigkeit der gewählten Route deutlich niedriger als im Nachstieg ausgesucht werden, damit man ausreichende Reserven hat, um mit den Anforderungen fertig zu werden. Man sollte sich außerdem immer bewußt sein, daß Erfahrung und Routine nicht erlernbar sind, sondern einem erst mit der Zeit zu Teil werden.

Das Abklettern-Lernen nicht vergessen!

Dieser Hinweis mag zunächst etwas sonderbar erscheinen, schließlich wollen wir doch alle nach oben klettern – oder? Das mag so sein, aber dennoch kommt man gelegentlich in die Situation, zumindest leichteres Gelände sicher seilfrei abklettern zu müssen. Man muß dazu nicht unbedingt in die Berge fahren. Bei einem Trip nach Südfrankreich können einem Abstiege mit Kletterpassagen ebenso begegnen, wie an britischen Klippen oder in nordamerikanischen Canyons. Auf jeden Fall sollte man gewappnet sein. Abklettern ist ja prinzipiell nicht schwieriger als hochklettern. Viele Leute haben aber trotzdem erhebliche Probleme damit, weil es selten bis nie praktiziert wird. Das muß nicht sein. Deswegen der Tip für alle, die mit dem Abklettern so ihre Schwierigkeiten haben und/oder später auch außerhalb des reinen Klettergartengeländes unterwegs sein wollen: Abklettern üben ist kein Makel!

Torsten Schäfer

(zusammengestellt unter Verwendung diverser Internetartikel, vor allem eines Textes von Christoph Deinet von www.on-sight.de)

[nach oben]

Valid HTML 4.01 Transitional