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aus dem Höhenrausch, Heft 1/2003:

Buchtipps

“Nach oben”

Fergus Fleming: Nach oben – Die ersten Eroberungen der Alpengipfel. Rogner & Bernhard, 2002 (bei Zweitausendeins).

Der Titel der englischen Originalausgabe heißt “Killing Dragons”. In der Tat belegt dieses Buch eindrucksvoll, dass die Eroberer der Alpengipfel einige Jahrzehnte brauchten um zu erkennen, dass dort oben KEINE Drachen hausen. Und später – vielleicht auch noch heute – waren es wohl symbolische Drachen, die sie töten mussten oder wollten.

Angefangen mit der Geschichte der Erstbesteigung des Montblanc erzählt der Autor Geschichte, Geschichten, Hintergründe und Anekdoten von bedeutenden Unternehmungen in den Alpen. Der Zeitraum liegt etwa zwischen 1770, als Horace de Saussure das erste Mal Chamonix besuchte, und 1939, dem Jahr der Erstbesteigung der Eiger-Nordwand. Damit sind etwa 175 Jahre alpine Pionierzeit erfasst, in der es um hohe Berge und bekannte Bergsteiger geht:

So verschieden die Menschen, so verschieden waren auch ihre Motive: wo anfangs wissenschaftlicher Forscherdrang vorherrschte, wurden die Befriedigung persönlicher Eitelkeit, sportlicher Wettstreit oder Eroberungsgedanken zunehmend wichtiger.

So wurden die Drachen zum Symbol für Schrecken und Qualen, denen sich die Bergsteiger ausgesetzt sahen oder mit denen sie in der Öffentlichkeit hausieren gingen, um als Helden dazustehen.

Diese persönlichen Aspekte werden in dem Buch detailliert beschrieben. Marc Bourrit zum Beispiel, ein Konkurrent de Saussures bei der Eroberung des Montblanc, war wohl für das Bergsteigen untauglich, was seine Leidenschaft für die Alpen allerdings nicht behinderte. Und er stellte seine bescheidenen Versuche in höchsten Tönen dar: “Ein neues Universum rückte ins Blickfeld; mit welchen Worten kann ich ein Schauspiel beschreiben, das uns den Atem verschlug. … die über die Spalten gewölbten Schneebrücken erfüllten mich mit noch größerem Staunen. Ihre offenbare Stärke ermutigte uns, sie zu überqueren. Wir waren sogar tapfer genug, in der Mitte halt zumachen und in den Abgrund zu schauen.”

Das Schlusswort des Buches ist ein Zitat von Heinrich Harrer nach der Rückkehr aus der Eigernordwand: “Wir haben einen Ausflug in ein andere Welt gemacht und sind zurückgekommen.” Dieses Zitat gilt auch für das Buch. Wer an Anekdoten und Geschichten von skurrilen Menschen Spaß hat, wird dieses Buch mit Genuss lesen und zeitweise in einer anderen Welt sein.

Michael Lindrum

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