Joggingschuhe – Laufen wie auf Wolken
Die Kletter- und Hochtourensaison ist zu Ende, der Winter steht vor der Tür, die Kekse winken schon aus den Regalen. Also gar nicht erst schlapp werden, sondern den Winter durchjoggen.
Für AnfängerInnen wie Fortgeschrittene immer die gleiche Frage: welcher Schuh ist der RICHTIGE!? Laufbandanalysen sind zwar interessant, bergen aber die Unsicherheit, dass das Laufen auf dem Band nicht dem in der Eilenriede entspricht: das Band bewegt sich unter den Füßen weg, meist hält man sich an einer Stange fest, das verzerrt den Stil.
Optimal wäre, beim Kauf schon über den eigenen Laufstil oder die individuellen Belastungseigenheiten Bescheid zu wissen. Das setzt voraus, dass man nicht mehr AnfängerIn ist. In diesem Fall geben Abnutzungsspuren des Schuhs schon an, worauf zu achten ist. Neulinge haben es da schwerer. Sie können zwar ihre Strassenschuhe zu Rate ziehen, beim Joggen sind aber die Bewegungsmuster anders als beim Gehen. Hier tut gute Kaufberatung doppelt Not.
Dämpfen – Stützen – Führen
Ein Joggingschuh sollte der Ferse guten Halt geben, sie führen, dabei aber auf die Achillesferse keinen Druck ausüben. Der Vorfuss darf seitlich nicht “schwimmen” (es sei denn, im eigenen Saft), ein feuchter Fuss ist sehr anfällig für Hautläsionen durch Scherkräfte. Der längste Zeh sollte nach vorne noch gut 1 cm Platz haben. Wer im Alltag Einlagen trägt, sollte dies auch in Sportschuhen tun. Wer speziell beim Laufen Probleme bekommt, muss die Schuhe auf bauartgedingte Stellungsfehler überprüfen (lassen), oder sich nur für die Sportschuhe Fussstützen (Sporteinlagen) anfertigen lassen. Sportschuhe haben meist ein herausnehmbares Fußbett, also genug Platz für eine langsohlige Sporteinlage. Einlagen aus dem Strassenschuh taugen hier nicht!
Lange Zeit wurde die Dämpfung als das Element des Sportschuhs bezeichnet. Weiche Materialien geben an stark belasteten Stellen zu sehr nach, können Fehlstellungen vorgeben, damit zu einem schnellen Verschleiss der Schuhe oder schlimmer zur Überlastung des Band- und Knochenapparates führen. Auf unebenem Untergrund lassen weiche Sohlen den Fuß schlechter Halt finden, sie kosten zudem beim Laufen mehr Kraft. Gezieltes Muskeltraining lässt sich auf weichen Sohlen kaum durchführen. Der Körper besitzt ein eigenes Dämpfungssystem, das mit gut gebauten Schuhen ausreichend ist.
Studien haben gezeigt, dass Laufen auf Teerstrecken in mässig gedämpften Schuhen zu einer grösseren Knochendichte im Fersenbein führt. Gute Dämpfung erzielt man z.B. mit dünnem, zähelastischem Material, das beim Auftritt die Kraftübertragung zum Körper verzögert, damit er seine eigenen Reserven mobilisieren kann (gibt es als Einlegesohle oder in Verbindung mit massgefertigten Sporteinlagen). Für LäuferInnen mit starker einseitiger Fussbelastung gibt es Schuhe, die in dem entsprechenden Bereich festere Sohlenmaterialien aufweisen. Reicht dies nicht aus, kann auch eine Masseinlage ergänzend verwendet werden.
Grundregel: Schuhe kauft man nicht aus dem Katalog oder Internet, auch Schnäppchen müssen ausgiebig probiert werden.
Verena Bähr
Weitere Informationen:
- Fachzeitung für Orthopädieschuhtechnik, Sonderheft Sportversorgung. C. Maurer Druck und Verlag GmbH & Co. KG, Geislingen.
- F. Czioska: Der Optimale Laufschuh. Meyer & Meyer Verlag.