Tipps zur Seilhandhabung
Es gibt mehrere Arten des Anseilens. Der meistverwendete Knoten und zugleich der einfachste ist der sogenannte Führerknoten, den man auch in einer Doppelschlinge bilden kann. In die Schlinge schlüpft man hinein und zieht dann den Knoten so zurecht, daß das Seil fest, aber ohne einzuschnüren, um die Brust, nicht um den Bauch, sitzt.
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Wer kein Gefühl für die Handhabung des Seils hat, soll lieber auf Berge steigen, die man ohne Seil begehen kann. Ich habe Partien auf Kletterfahten gesehen, die mir durch ihre Seilschlamperei Gruseln einjagten.
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Jeder Kletterer muß ständig das Seil beobachten. Der zweite ist für das vor ihm laufende Seil verantwortlich. Reißen und Zerren am Seil ist gefährlich und unsportlich. Der Sichernde beachte jede Bewegung des Vorausgehenden, lasse das Seil nicht aus den Augen und rufe dem Voraussteigenden die noch vorhandene Länge in Metern zu.
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Und richtig sichern! Darauf kommt es vor allem an. Bei gutem Stand verwendet man dabei die sogenannte Schultersicherung. Das Seil wird unter der Achsel durch über den Rücken und über die entgegengesetzte Schulter vor der Brust zur Hand geleitet. Das zum Kletterer führende Seil muß dabei vom Rücken ausgehen und der Zug mit der Gegenschulter pariert werden, damit im Falle eines Sturzes der Sichernde nicht nach vorn, sondern nach hinten gerissen wird. Der Sichernde muß trachten, so zu sitzen oder zu stehen, daß er im Falle eines Sturzes seines Kameraden nicht mitgerissen wird und diesen halten kann.
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Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob man als erster oder als zweiter am Seil ist – obwohl natürlich ein guter zweiter oft erst die gute Seilschaft bedeutet. Nicht selten aber wird die “moralische” Sicherung des Nachkletternden eine sehr reale Seilhilfe, die ihm die “Bewältigung” einer Stelle erst ermöglicht! Wenn solche “Seilhilfe” in die sogenannte “Mehlsacktechnik” ausartet, dann sind meist beide zu bedauern. Die Führer können manches Lied davon singen.
Aus “Meine Berge” von Luis Trenker, 1965.