Steigeisenfeste Bergstiefel im Test
Die Saison scheint zwar vorbei zu sein, aber zum einen geht dem Neukauf von Bergschuhen meist eh ein längerer Entscheidungsprozess voraus, eventuell ein Abschied von alten Begleitern, und Schnellschüsse kurz vor dem Urlaub sind gar nicht empfehlenswert. Nicht zuletzt lässt sich im Herbst vielleicht beim Lagerräumen auch noch ein Schnäppchen machen. Ganz großer Vorteil für einen Kauf im Herbst und Winter: es gibt eine gute Zeitspanne zum Eintragen, schließlich lassen sich auch in tiefer gelegenen Regionen diese Stiefel mal im Schnee “vorformen”.
Ausgehend von einem Bergstiefel-Test in der Zeitschrift “Klettern”, will ich an dieser Stelle ein paar Hilfestellungen zum Kauf von Bergschuhen geben. Der Test betont, dass es wieder einen Trend zum Lederstiefel gibt. Oftmals sind diese zwar mit Kunststoff-Futter oder Synthetik-Geweben im Obermaterial gemischt, es werden aber auch die Vorteile von Lederfutter und ganzem Lederobermaterial beschrieben. Der Streit zwischen Leder und Kunststoffen ist vielfach das Gewicht und die Wasserdichtigkeit, bzw. die Trockenzeiten. In Sachen Passform ist Ledermaterial unübertroffen, aber Lederschuhe sind schwerer, haben einen höheren Pflegebedarf und brauchen länger zum Trocknen, bzw. binden mehr Wasser. Bei richtiger Pflege ist Leder jedoch lange haltbar. Ein Nachteil bei Materialmix im Obermaterial sind vor allem die Nähte: müssen Nähte repariert werden, leiden u.U. mit verarbeitete Membranen und Polster: Wenig Nähte – weniger Verschleiß.
Bei der Empfehlung eines Bergschuhs stehen Passform und Einsatzmöglichkeiten im Vordergrund. Die besten Details nutzen niemandem, dessen Fuß nicht zum Schuh passt. Einen Bergschuh (jeden Schuh) kauft man nicht ab Katalog oder Internet. Im Test wird auch auf die Passform eingegangen; da die LeserInnen die Füße der Testpersonen nicht kennen, lässt sich damit aber nur wenig anfangen. Interessanter ist da der Hinweis, dass schmalere Schuhformen in Kletterpassagen mehr Möglichkeiten bieten. Allerdings sind sie eben auch für schmale Füße ausgelegt. Ein Vorteil könnte hier sein, dass bei den schmalen Schuhen für Frauen passendere Modelle dabei sind.
Alle im Test genannten Bergstiefel laufen auf Vibram-Sohlen. Diese sind in der Regel reparabel, sofern die eingebrachte Sohlenversteifung keine Klebeprobleme aufwirft. Wer die Schuhe nicht bis auf die Felgen abläuft, kann die Schuhe auf alle Fälle länger halten (gilt im besonderen auch für die Sohlenkanten, an denen die Steigeisen befestigt werden).
Im Test wurden die Schnürverschlüsse mit erwähnt. Einige Hersteller verwenden mittlerweile Kunststoffverschlüsse. Allerdings habe ich auf einer Hütte auch schon vom Felskontakt arg ramponierte Kunststoff-Schnürverschlüsse an relativ neuen Schuhen entdeckt. Bei einer Reparatur müssten diese dann doch mit Metall ersetzt werden, es sei denn, man kümmert sich rechtzeitig und hat Zeit, die Schuhe einzuschicken. Der geringe Gewichtsvorteil, auch von textilen Schnürungen, kann sich in schwierigen Reparaturen rächen. Es ist ein ähnliches Problem wie bei Nähten: bei einer Reparatur müssen Verschlüsse u.U. durch Membran oder Polster hindurch befestigt werden.
Das Fazit des Tests ist, dass Kunststoffschalenstiefel ihren Platz in Extremen Touren haben, für die meisten Hochtouren aber steigeisenfeste Bergstiefel aus Leder entscheidende Vorteile beim Eintragen der Schuhe haben. Wie immer muss man sich nur aus dem Dschungel der Angebote das Beste heraus fischen.
Der eigentliche Test ist nachzulesen in der Zeitschrift “Klettern” Juli/August 2002: http://www.klettern.de.
Verena Bähr